Das WWE-Gastspiel in Nürnberg am 18.04.2015

IMG_1433Gleich vorweg eine kleine Erklärung zum Thema Wrestling: Natürlich sind die Geschichten ausgedacht, die „Bösen“ (Heels) und die „Guten“ (Faces) spielen Rollen, die Ihnen zugedacht wurden. Bei den Kämpfen geht es darum, das Publikum möglichst gut und spektakulär zu unterhalten. Dabei ist es eine Kunst und erfordert viel Training, dass die Moves sauber ausgeführt werden und niemand ernsthaft verletzt wird. Da es eben nicht das Ziel ist, seinen Gegner möglichst platt zu machen, wird natürlich absichtlich daneben getreten oder z.B. nicht mit voller Wucht mit einem Stuhl auf den Gegner eingeschlagen. Wrestlingfans sind sich (meist) dessen bewusst und genießen einfach die Show. Es geht um Entertainment 🙂
Für manche, die sich mit den Begrifflichkeiten nicht auskennen, gebe ich hier auch noch weitere Erklärungen. Die erste kommt gleich hier: die WWE bezeichnet ihre männlichen Wrestler selbst als „Superstars“ und die Frauen als „Divas“.

Bevor am Abend in der Nürnberger Arena die WWE-Live-Veranstaltung stattfand, war für den Nachmittag im nahe gelegenen Toys’R’us eine Autogrammstunde mit WWE-Star Cesaro angesetzt. Um auch wirklich ein Autogramm und ein Foto zu bekommen, musste man sich nicht nur in eine sehr lange Schlange einreihen, man brauchte auch noch Zutrittsbändchen, die auf 400 Stück limitiert waren und zwei Wochen vorher gratis im Laden erhältlich waren. Gut, dass wir uns die damals direkt besorgt hatten (ein kleiner Ausflug zum Spielzeugladen schadet eh nie 😉 ), denn wie Facebook zu entnehmen war, waren schon Tage vorher alle vergeben. Während wir 1,5h lang anstanden fanden wir einen neuen Freund – ein ca. 13jähriger Junge stand vor uns an und unterhielt sich angeregt mit uns über Wrestling. Es sagte, er sei erst seit verangenem Jahr Fan, hatte aber offensichtlich gründlich seine Hausaufgaben gemacht und wusste einfach über ALLES bescheid, Wahnsinn. Leider hatte er kein Bändchen und nachdem noch einmal von Angestellten des Ladens deutlich gemacht wurde, dass man ohne eines nicht an Cesaro rangelassen würde, bat er mich, wenigstens ein Autogramm für ihn zu holen. Schließlich waren wir am Anfang der Schlange angekommen, konnten Hände schütteln, Fotos machen und unsere extra vorbereiteten Fotos von ihm unterschreiben lassen – und für unseren kleinen Freund fiel auch noch eines ab. Ich muss gestehen, in dem Moment, wenn ich vor einem „Star“ stehe, fällt mir überhaupt nichts intelligentes zu sagen ein, die guten Fragen kommen mir immer erst hinterher in den Sinn. Was soll’s, war trotzdem nett 🙂

Cesaro

Nach der Autogrammstunde und einer kleinen Stärkung fuhren wir zur Arena. Dort standen schon unzählige Menschen am Eingang an und wir gesellten uns dazu. In der Vergangenheit war unsere Erfahrung mit ähnlichen Veranstaltungen eher chaotisch (an der Festhalle in Frankfurt wurde u.a. viel zu spät mit dem Einlass begonnen), aber die Nürnberger haben anscheinend selber eine fähige Security, sodass wir unsere Plätze gemütlich lange vor Beginn einnehmen konnten. Die Zeit nutzten die Veranstalter für eine kleine Abstimmung per Twitter: Liebes Publikum, wollt ihr lieber ein 1 on 1 Diven-Match sehen oder ein 6-Diven-Tag-Team-Match (3 gegen 3, jeweils eine kämpft und es wird abgeklatscht zum durchwechseln)? Natürlich entschied sich das Publikum für das 6er-Match. Um 19 Uhr startete die Show mit einem Einspiel-Film, in dem der COO der WWE, Triple H, das Publikum begrüßte (der hat natürlich besseres zu tun, als bei jeder House-Show, wie sich diese Tour-Termine ohne Fernsehkameras nennen, selbst anwesend zu sein).Triple H

Der erste Superstar, der die Bühne betrat, war Wade Barrett (auch „Bad News Barrett“), der seinem Gimmick alle Ehre machte und richtige „Bad News“ verkündete (was wir bereits wussten): Daniel Bryan (einer der derzeit populärsten Superstars), sei wegen einer Verletzung von der Tour heim geschickt worden und könne deshalb nicht gegen ihn antreten. „Na dann kann ich ja wieder gehen und meinen freien Tag genießen“ meinte er und bewegte sich in Richtung Bühnenausgang, als plötzlich die Musik von Erick Rowan ertönte, der ihn herausforderte. „Ding ding ding“, los ging es. Das Publikum war zu dem Zeitpunkt leider noch nicht richtig aufgewärmt und die beiden stürzten sich nicht gerade mit voller Wucht aufeinander. Hier bekam man schon den Eindruck, wie in den meisten darauffolgenden Matches auch, dass die Wrestler gebrieft sind, nicht gerade alles zu geben, um sich möglichst nicht zu verletzten (bei diesen nicht televisionär verwerteten, also „unwichtigeren“, Veranstaltungen). Macht aber an sich nichts, es geht schließlich nicht darum, sich oder jemand anderen zu verletzten.  Schließlich gewann Wade Barrett das Match und wurde bejubelt, gut so 🙂

Das nächste Match war dann das wahre Publikums-aufwärm-Match, ein Triple Threat Tag Team Match um die Tag Team Titel. Dabei ist klar, dass es nur in extremen Ausnahmefällen vorkommt, dass die Titel tatsächlich bei einer House Show die Träger wechseln. Es traten an: Die Titelträger Cesaro und Tyson Kidd (begleitet von Natalya) vs. Los Matadores (mit El Torito) vs. The New Day. Cesaro und Tyson sind von diesen drei Gruppen natürlich die größten Sympathieträger und wurden heftig bejubelt. (Die Herrschaften sind einfach wahnsinnig talentiert und werden leider von den WWE-Oberen oft unter Wert verkauft, darum freut man sich umso mehr, wenn sie mal einen Titel tragen dürfen.) Los Matadores wurden vom Publikum neutral bis freudig beklatscht und The New Day schließlich wurde leidenschaftlich ausgebuht. (Deren Gimmick war, so wie ich das sehe, ursprünglich mal als Faces geplant; da es aber so platt und klischeebeladen dämlich ist, buhte das Publikum sie von ihrem Debüt an aus, sodass man sich wohl entschloss, das zu nutzen und sie offen zu Heels zu machen. So macht es gleich viel mehr Spaß.) Zum rhythmischen Geklatsche des New Day wurde natürlich „New Day sucks“ gechantet, das gehört zum Spiel dazu 😉

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Auch dieses Match ging recht gemächlich los, man verlor sich in ein paar „lustigen“ Provokationen, während Natalya sich am Ringrand abmühte, das Publikum anzuheizen. Irgendwann schafften sie es doch noch, etwas Action rein zu bringen und zeigten ihr Können, was wiederum der Stimmung in der Arena zugute kam. Cesaro setzte schließlich seinen „Cesaro Swing“ bei Kofi Kingston ein, Kidd daraufhin den obligatorisch folgenden Dropkick und „One, Two, Three“, Cesaro pinnte Kofi zum Sieg. Hurra! 🙂

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Zum Match Nummer drei traten als nächstes Adam Rose und Finn Balor an. Letzterer tritt derzeit noch primär in der WWE-Nachwuchsliga NXT an, die leider im deutschen TV keinen Sendeplatz hat. Wir wussten also nicht, was uns erwarten würde, waren letztendlich aber hochbegeistert von seiner Darbietung. Insgesamt war das Match deutlich leidenschaftlicher geführt als beispielsweise das erste 😉 Man betrachte sich nur den kleinen Ausschnitt, den ich mitgefilmt habe (s.u.). Gewinnen durfte dann auch Finn Balor.

Nun folgte das Diven-Match, es traten an: Cameron, Tanika Snuka und Rosa Mendes vs. Natalya, Emma und Layla. Manche der Damen sind jetzt nicht gerade die besten Wrestlerinnen (Cameron, Rosa..) und ihre Talente liegen mehr im „Show machen“ und gut aussehen, daher verlief das Match in vielen Teilen recht gemächlich. Am positivsten fiel mir aber Natalya auf, die wahnsinnig viel Energie und Herzblut in das Match steckte, viele schnelle und auch härtere Moves brachte und somit dem ganzen etwas mehr Dynamik gab. So macht das Spaß! 🙂 Am Ende durfte sie mit dem Hart-Family-typischen Sharpshooter Tamina zur Aufgabe zwingen und das Publikum feierte die Mädels gebührend.

Nattie mit Tamina im Sharpshooter

Match Nummer 5 bestritten Sheamus (Heel) und Dolph Ziggler (Face). Ersterer bekam, dank seines neuen Gimmicks, das eine Irokesen-Frisur beinhaltet, vom Publikum viele „You look stupid!“ Chants, wenn er poste. Ansonsten wurden während des Matches abwechselnd Ziggler und Shaemus angefeuert, „Let’s go Sheamus – let’s go Ziggler!“; gute Stimmung! Besonders begeistert hat mich, dass Ziggler wirklich mit voller Power und Körpereinsatz dabei war und sich reingehängt hat, um eine gute Show zu bieten. Klasse! Spätestens nach diesem Auftritt bin ich nun endgültig zum Ziggler-Fan geworden, der ist einfach wahnsinnig gut (und auch mal wieder einer von denen, die nicht genügent gepusht werden von den Oberen..).  Gewinnen durfte dann zwar Sheamus, der auch von Teilen des Publikums dafür gefeiert wurde (von anderen ausgebuht). Nach dem offiziellen Ende wollte Sheamus, ganz Heel-like, Ziggler noch einmal attackieren, was dieser aber erfolgreich durch einen Kick kontern konnte um ihm anschließend einen Zig Zag zu verpassen. Nun ließ sich auch Ziggler feiern & stieg auf die Ringecken zum Posen. Hier sah man dann den Preis des „mit voller Power“-Kämpfens: er hielt sich die linke Schulter, hatte sich anscheinend leicht verletzt. Da kann ich nur sagen: Gute Besserung und danke für den tollen Kampf! 🙂

— Pause —
Das sechste Match war ein Tag Team Match, Damien Mizdow und Zack Ryder (Faces) vs. Fandango und The Miz (Heels). Das Publikum hatte auch hier, wie bei den TV-Aufzeichnungen, Spaß daran, Miz auszubuhen und Mizdow zu bejubeln (siehe Video unten). Letzterer hatte zuletzt das Gimmick des „Stunt Double“ des „großen Hollywood-Stars“ Miz, bis sich das Double gegen das Original wendete und die beiden offen fehdeten. Mizdow demonstrierte seine „grandiosen“ Deutschkenntnisse, indem er nach Mizes heeliger Promo das Mikro übernahm und „Halt’s Maul“ anstimmte und das Publikum zum mitmachen anregte. Ich kann mir zwar elegantere Beleidigungen vorstellen, aber vielen (besonders jungen) Zuschauern gefiel das und sie stimmten ein. Das Match durften die Faces gewinnen, durch ein Skull Crushing Finale von Mizdow an Miz und den nachfolgenden Pin.

Fandango fliegt und hat dabei Mizdow im Griff

Im siebten Match trat Jimmy Uso gegen Bray Wyatt an. Letzterer hat einen der athmosphärischsten Einläufe, leicht mystische Musik und „Glühwürmchen“-Optik durch das Publikum (Handylichter und Feuerzeuge). Das sieht im Fernsehen schon immer cool aus, aber live erzeugt das eine unglaubliche Stimmung, die ich so gar nicht erwartet hatte, Wahnsinn. Vor allem ist es erstaunlich, wie stark doch ein paar hundert Handylichter eine Arena ausleuchten können!
IMG_1515Die beiden boten auch ein schönes und dynamisches Match, Jimmy Uso zeigte ein paar Sprünge von den Ringecken und Bray Wyatt durfte nach Einsatz seines Finishers „Sister Abigail“ und Pin gewinnen.

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gegenseitiges Lauern

Das letzte Match, das Main Event, war als Street Fight zwischen Roman Reigns und Big Show angesetzt, d.h. „alles geht“, man kann über längere Zeiträume den Ring verlassen und alle möglichen Gegenstände einsetzen (Stühle, Tische, ..). Roman Reigns, der in letzter Zeit an Popularität gewonnen hat, wurde lautstark bejubelt, während Big Show mit „You sold out“-Rufen bedacht wurde. Reigns verpasste Big Show einige Superman Punches und versuchte Spears, derer sich Big Show zu erwehren wusste. Natürlich wurden auch Stühle ausgepackt und sich damit sanft gegenseitig verkloppt (man sah richtig das abbremsen, das tun sie im TV normalerweise nicht 😉 ). Das Highlight waren die Tische, die bereit standen und aufgebaut wurden. Durch den ersten wurde Big Show von Reigns geworfen, in den zweiten rannte Big Show selbständig (an Reigns vorbei). Spektakulär! Das sollten sie mal mit guten bayerischen Biertischen probieren, die gäben nicht so schnell nach 😉 Am Ende durfte Reigns den angeschlagenen Big Show pinnen und gewann. Er nahm sich danach noch kurz Zeit für die Fans (zumindest länger als die meisten anderen), ehe er die Arena verließ und das Licht wieder anging.

Big Show wurde durch den Tisch geworfen

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Roman Reigns in Siegerpose

Unsere Beobachtungen zum Publikum: Es waren recht viele Kinder/junge Teenager anwesend, die alle von mindestens einem Elternteil begleitet wurden. In unserer Umgebung waren das häufig Muttis, die jetzt selbst nicht gerade wie Wrestlingfans erschienen. Ehrlich gesagt, ich würde mit meinen Kindern nicht zu etwas hingehen, das so einen Haufen Geld kostet und von dem ich gar nichts habe.
Eine vor uns kommentierte am Ende „Wie, jetzt ist aus? Also die hätten sich schon noch verabschieden können!“ – Der Sprecher hatte sich im Namen aller verabschiedet und das war ok. Was hat sie denn erwartet, dass alle nochmal rauskommen und sich verbeugen? Wir sind doch nicht im Theater.
Der hohe Anteil an Kindern und Müttern hatte meines Erachtens nach zur Folge, dass es etwas dauerte, bis die Stimmung sich aufwärmte. Gerade die Eltern machten oft bei gar keinen Chants mit und die Kinder mussten auch erst lernen, sich zu überwinden (wenn sie denn schon so viel Englisch konnten, um mitzumachen).
Irgendwie „putzig“ fand ich, dass die Kinder bei den Matches sehr stark mitfieberten und quietschten, wenn jemand knapp dem ausgezählt werden entkam.

Fazit: Uns hat er Abend viel Spaß gemacht und vor allem haben wir uns über diejenigen Athleten gefreut, die sichtbar mit Herzblut dabei waren und alles gegeben haben, um eine gute Show zu liefern. Die Nürnberger Arena ist auch eine gute Location für eine solche Veranstaltung und unsere Plätze hatten wir gut ausgesucht (Rang, recht weit unten), wie man auf den Fotos sehen kann. Natürlich ist das kein ganz billiges Vergnügen, aber es war wirklich spaßig und unterhaltsam. Es war auch praktisch, dass wir keine weite Reise dafür auf uns nehmen mussten (anders als beim letzten mal, wo wir extra nach Stuttgart gefahren sind). Wenn die WWE sich schonmal nach Franken verirrt, „muss“ man das ja fast nutzen. Wir bereuen nichts, wir hatten wirklich einen schönen Tag 🙂

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Tschüs, nächtliche Arena!

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Über Rei in der Tube

geek & biologist
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Eine Antwort zu Das WWE-Gastspiel in Nürnberg am 18.04.2015

  1. corny83 schreibt:

    Damn! jetzt hatte ich lang was geschrieben aber WordPress lies mich nicht einloggen ^^
    Und jetzt ist alles weg!
    In kurz: Toller Bericht, geil Geschrieben, man merkt wieviel Spaß Dir die Veranstaltung gemacht hat – wie Du mitgelebt, mitgefiebert hast 🙂
    Du schreibst öfters das dies nicht grad günstig sei, wieviel kostet denn da so ein Ticket?
    Ich weiß ja was Musical Karten oder Krimidinner kosten – ich denk mal das dürfte so in der gleichen Preiskategorie (je nach Sitz etc…) sein, vor allem wenn man bedenkt das die Künstler ja erst noch aus USA eingeflogen werden mussten.

    Jedenfalls tolle Show – und schön das es so was auch mal in Franken gab ^^

    P.s: hab dich nun ENDLICH auch mal auf meinem Blog/Freundesliste verlinkt ^^
    lg
    Corny

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